Seit dem 1. Januar 2025 weht auf Schweizer Strassen ein schärferer Wind: Wer absichtlich vermeidbaren Lärm verursacht, muss mit drastischen Konsequenzen rechnen. Es drohen saftige Bussen von bis zu CHF 10’000.– sowie weitreichende Massnahmen durch das Strassenverkehrsamt.
Besonders im Visier der Polizei stehen Fahrzeuglenker, die mit manipulierten Auspuffanlagen, Software-Tuning oder mutwilligen Fehlzündungen für Aufsehen sorgen. Was für Auto- und Motorradfans nach harmloser Show oder emotionalem Sound klingt, wird von den Behörden rigoros als Gesetzesverstoss verfolgt. Ein solcher Vorfall endet heute fast immer in einem formellen Strafverfahren.
Der neue Paragraph gegen „Soundposer“
Der Bundesrat hat die Verkehrsregelverordnung VRV bezüglich Vermeiden von Lärm auf den 1. Januar 2025 gezielt verschärft. Der Hintergrund: Die Behörden wollen härter gegen sogenannte „Autoposer“ vorgehen.
Neu ist auch das gezielte Erzeugen von Knallgeräuschen (sogenanntes „Pop and Bang“ oder „Schubblubbern“) unter dem Begriff Verursachen von vermeidbarem Lärm verboten. Besonders betroffen von diesen Kontrollen sind Tuning-Fans, Fahrer von leistungsstarken Sportwagen und Motorradfahrer.
Was heisst das bei einer Kontrolle konkret?
Wer wegen Lärms von der Polizei angehalten wird, sieht sich sofort mit einem massiven Massnahmenpaket konfrontiert:
- Strafverfahren & Mega-Busse: Das Verursachen von vermeidbarem Lärm (Art. 42 SVG) ist eine Übertretung, die mit einer Busse bestraft wird. Der gesetzliche Rahmen für Bussen liegt hier bei bis zu CHF 10’000.–.
- Ausweisentzug: Neben der Strafe durch die Staatsanwaltschaft drohen zwingend Administrativmassnahmen. Das Strassenverkehrsamt kann den Führerausweis für mindestens einen Monat (oft auch länger) entziehen.
- Fahrzeugbeschlagnahmung & Nachkontrolle: Sind technische Änderungen (wie Klappenauspuffe, Downpipes oder Software-Tuning) im Spiel, kann die Polizei das Fahrzeug vor Ort sicherstellen. Zusätzlich wird oft eine teure technische Nachprüfung beim Strassenverkehrsamt angeordnet.
💡 Wurden Sie von der Polizei angehalten?
👉 Was Sie bei einer Verkehrskontrolle unbedingt beachten müssen und warum Sie sich niemals selbst belasten sollten erfahren Sie in unserem Fachartikel: Recht auf Aussageverweigerung – das musst du wissen!
Wo endet „unnötig“ – und wo beginnt Willkür?
Die Meinungen gehen weit auseinander: Ist das Schutz der Bevölkerung oder übertriebene Bürokratie? Was für den einen unnötiger Lärm ist, gehört für den anderen zur Fahrkultur. Klar ist: Die Polizei hat neu grossen Ermessensspielraum wenn es um die Anzeige von Verursachen von vermeidbarem Lärm geht. Dies wird zweifellos für rechtliche Auseinandersetzungen sorgen.
Was tun bei einer Anzeige wegen Lärm?
Wer wegen Verursachen von vermeidbarem Lärm ins Visier der Behörden gerät, sollte rasch handeln. Es geht nicht nur ums Geld: Auch der Ausweisentzug, Einträge im Strafregister oder teure Nachkontrollen beim Strassenverkehrsamt können drohen.
Unser wichtigster Tipp: Bei der Polizeikontrolle vom Recht auf Aussageverweigerung Gebrauch machen – und sofort rechtlichen Beistand einholen.
Vertretung im Strafverfahren
Wer auf der sicheren Seite sein will, sollte im Strassenverkehr nicht jedes Dezibel riskieren. Hat es Sie dennoch erwischt, können Sie sich auf uns verlassen.
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💡 Strafverfahren, Strafbefehl, Strafen und Rechtsmittel
👉 Ihre brennendsten Fragen rund um Strafverfahren beantworten wir im Grundlagenartikel Strafverfahren Schweiz – Ablauf, Rechte und typische Fehler.
👉 Welche Verkehrsbussen im Ordnungsbussenverfahren erledigt werden, zeigt unsere Bussentabelle Schweiz 2026.
👉 Warum auch die „nur“ bedingte Geldstrafe brandgefährlich für Ihren Fahrausweis ist erfahren Sie in unserem Fachartikel Bedingte Geldstrafe, Verkehrsdelikt und Führerausweisentzug.
👉 Weitere Informationen, wie Sie sich gegen einen Strafbefehl wehren und wann eine Einsprache Sinn macht, finden Sie in unserem Fachartikel Einsprache gegen Strafbefehl – wann lohnt sich das taktisch?
FAQ: Häufig gestellte Fragen zu Lärm durch Fahrzeuge
Seit dem 1. Januar 2025 ist gemäss der verschärften Verkehrsregelnverordnung (VRV) das absichtliche Verursachen von vermeidbarem Lärm explizit verboten. Darunter fällt insbesondere das gezielte Erzeugen von Knallgeräuschen durch mutwillige Fehlzündungen (sogenanntes „Pop and Bang“).
Die Strafen wurden massiv verschärft. Statt einer einfachen Ordnungsbusse wird neu ein Strafverfahren eröffnet, bei dem eine Busse von bis zu 10’000 Franken droht. Zusätzlich sind Administrativmassnahmen wie ein Führerausweisentzug, ein Strafregistereintrag oder teure Nachkontrollen des Fahrzeugs möglich.
Das gezielte Erzeugen von Knallgeräuschen („Pop and Bang“) gilt neu als verboten. Auch andere fahrzeugspezifische Änderungen, die Lärm verursachen, wie Klappenauspuffe oder entsprechendes Software-Tuning, stehen unter verschärfter Beobachtung der Behörden.
Es wird empfohlen, bei einer Polizeikontrolle von Ihrem Recht auf Aussageverweigerung Gebrauch zu machen. Da neben hohen Bussen auch ein Ausweisentzug drohen kann, sollten Sie umgehend rechtlichen Beistand einholen, um Ihre Rechte zu wahren.
Matthias Fricker
Rechtsanwalt und Partner bei Fricker und Füllemann Rechtsanwälte
Studium an der Universität St. Gallen mit Abschluss Master in Law (M.A. HSG in Law) im Jahr 2012, eingetragen in Anwaltsregister des Kantons Zürich, Mitglied des Zürcher Anwaltsverbandes.
Fabian Füllemann
Rechtsanwalt und Partner bei Fricker und Füllemann Rechtsanwälte
Studium an den Universitäten St. Gallen und Zürich mit Abschluss Master of Law UZH im Jahr 2013, eingetragen in Anwaltsregister des Kantons Zürich, Mitglied des Zürcher Anwaltsverbandes.